Accessorize your Scheer shoes handmade in Vienna

Scheer

Steht man vor dem historischen Geschäftsportal der heutigen Scheer GmbH aus dunklem Holz mit goldenen, herrschaftlich wirkenden Buchstaben, welche an die ehemalige K&K Stellung als auserwählter Hoflieferant erinnern, überfällt einem schnell Romantik und Nostalgie. Das Portal gehört daher nicht nur zu jedem Fixpunkt einer Wien-Führung, sondern ist – laut Inhaber Markus Scheer – eines der meistfotografierten Wien-Motive. Wenn der Betrachter wüßte, dass sich hinter dieser Außenfassade eine Original Wiener Schuhmanufaktur aus 1816 befindet und Schätze beherbergt wie den Sattel, auf dem bereits an Kaiser Franz Joseph I die Reitstiefel maßgenommen wurden respektive seine ganz persönlichen Leisten, dann bliebe es nicht nur bei einem Foto von außen. Rund um das 200-jährige Firmenjubiläum hat das Haus Scheer nun eine eigene Accessoires Kollektion lanciert. Anbei ein Porträt zu einer ganz besonderen Firmengeschichte mit Wiener Handwerkstradition! 

Schon lange habe ich mich persönlich auf diesen Beitrag gefreut, denn mit Rudolf Scheer & Söhne verbindet mich eine längere Geschichte. Mein allererster Kontakt war vor circa 4 Jahren, rein zufällig bei einem Bummel durch die Wiener Innenstadt mit einer Freundin. Fasziniert von der beeindruckenden K&K Fassade betraten wir spontan das Geschäft, welches erst kurz davor neu gestaltet worden war. Neben dem alten, noch aus dem 19. Jh. stammende Geschäftslokal mit Nußholzmöbeln, war in ebenso historischen Gemäuern ein moderner Schau- und Verkaufsraum entstanden. Auch der Keller war gerade erst neu adaptiert worden und sollte privaten, kleinen Feierlichkeiten von besonderen Scheer Kunden mit eigenem Catering-Service dienen.

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Letztes Jahr im Sommer (ich schrieb längst für meinen Lifestyleblog) besuchte ich Rudolf Scheer & Söhne abermals mit dem Hintergedanken, darüber ein besonderes Markenporträt zum Thema des traditionellen Wiener Handwerks zu verfassen. Denn an diesem Tag durfte ich zum ersten Mal die Original-Schuhmanufaktur im 1. Stock betreten. Dies war wahrlich ein einschneidendes Erlebnis und einer Zeitreise zurück ins Jahr 1816 gleich. Denn zwischen Leisten, Leder und Werkzeug ist das Schuhatelier vor allem eines: eine Werkstätte mit antikem Wohncharakter. Hier werden noch auf alten Singer Nähmaschinen, in den historischen Privaträumen der Familie mit ähnlich historisch-antikem Mobilar und Kristallluster nach alter Wiener Tradition für eine internationale Kundschaft Maßschuhe angefertigt. Dennoch: vieles hatte sich seit meinem ersten Besuch verändert.

1816 – 2016: 200 Jahre Scheer Handwerkstradition

Mittlerweile hatte das K&K Traditionsunternehmen, welches heute von Markus Scheer in 7. Generation geführt wird, in 2016 sein 200-jähriges Firmenjubiläum gefeiert und aus diesem Anlass die unteren Räumlichkeiten in ein kleines Museum verwandelt. In diesem findet man nicht nur wertvolle Skizzen von Herrn Scheer’s Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch die Leisten manch‘ kaiserlich-königlicher Herrschaft, des Adels sowie berühmter Künstler und Schauspieler. Darunter übrigens die Originalleisten von Kaiser Franz Joseph I, auf die man im Hause Scheer ganz besonders stolz ist. Zu den ausgestellten Leisten hat man so gut es ging auch die passenden Schuhmodelle platziert, aber leider ist über die Jahrzehnte hin nicht alles erhalten geblieben.

Lancierung von Scheer Accessoires

Eine zusätzliche Veränderung: die Erweiterung des Scheer Produktsortiments, welches bis dato „nur“ für die besten Maßschuhe in den verschiedensten Modellen für Damen und Herren bis hin zu Stiefeletten und Reiterstiefeln bekannt war. So wird heute unter dem Markennamen Scheer sogar eine eigene Accessoires-Linie, welche mittlerweile nicht nur Handtaschen, Picknickkoffer, Small Leather Goods und Gürteln, sondern seit Neuestem auch kleine Armbändchen aus Leder umfasst, angeboten. Das Sortiment für Herren wird noch um Reisegepäck, Weekender, Aktenkoffer und Laptoptaschen ergänzt. Darüber hinaus so manch‘ Sonderanfertigung für spezielle Kundenwünsche – eigentlich sind der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt.

Dies mit dem Ziel – sowie mir Markus Scheer, der Erneuerer, schließlich dieser Tage bei einem persönlichen Gespräch erzählte – den berühmten Pioniergeist des Familienunternehmens laufend mit neuen Geschäftsmodellen, aber auch sogenannten „Scheer Gesamterlebnissen“ weiterhin voranzutreiben. Gilt es doch innerhalb des Unternehmens das Scheer Handwerk auch noch erfolgreich an die 8. Generation weiterzugeben. So verwandeln sich heute noch Museum und Atelier auf Wunsch für private Feierlichkeiten in Räume der Gastlichkeit. Eine herrlich auf die menschlichen Sinne abgestimmte Symbiose aus dem Geruch nach Holz und Leder sowie dem Geschmack von Wein wie auch die Verbindung von Kunsthandwerk und Kochkunst. Beides auf absolutem Spitzenniveau!

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So soll unter dem Konzept von „Scheer Accessoires“ der Kunde / die Kundin die Möglichkeit haben, nicht nur Lederschuhe anfertigen zu lassen, sondern auch die passenden Lederaccessoires. Ganz unter dem Motto „Accessorize your shoes handcrafted in Vienna“! Auch hierfür werden nur die allerbesten Qualitäten an Leder verarbeitet. Sollte man meinen, dass aufgrund des ehemaligen K&K Status die Schuhmodelle aus dem Hause Scheer eher klassisch und traditionell ausfallen und sich dies auch auf die Tachenkollektion auswirkt, so irrt man gewaltig. Immerhin ist der Scheer Sneaker heute einer der meist angefertigten Modelle!

Wie Herr Scheer mir berichtete haben auch seine heutigen Kunden sehr wohl Anspruch auf modische Schuhe mit einem gewissen Twist. So auch die kreative Umsetzung der Accessoires. Mit ersten Skizzen und Ideen reist Thomas Hicker, gelernter österreichischer Taschen & Accessoires Designer, zu italienischen Ledermessen wie der Linea Pelle und sucht mit den Gerbereien die besten Lederqualitäten und ganz spezielle Farbnuancen aus. Nicht selten finden sich – nebst den bekannten Nobuk-, Rinds-, Alligator-, Velours- und Boxkalbleder – auch Elefanten- und Perlenziegenleder in der Kollektion. Herr Hicker designt aber nicht nur die Taschen, er stellt sie mit seinem kleinen Team auch selber her. Mit derselben Handwerkskunst wie Herr Scheer seine Schuhe.

Nebenbei war es mit der Lancierung der Accessoires auch ein Anliegen, der weiblichen Kundschaft wieder ein größeres Produktsortiment anbieten zu können. Kaufen wir Ladies doch nicht nur gerne neue Schuhe, sondern verfallen eigentlich so „jedem“ neuen Taschentrend und IT-Bag. Im Moment sei die Zielgruppe zwischen Frau und Mann wieder dabei sich auszubalancieren. Denn im Laufe des Scheer Imperiums gab es immer wieder Phasen mit vermehrter männlicher als auch mit größerer weiblicher Klientel. Waren speziell die Jahre zwischen 1950 und 1970 dank der Wiener Haute Couture Jahre durch einen höheren weiblichen Stammkundenanteil geprägt, so dominierten in den vergangenen Jahren wieder die Herren.

Maßanfertigung von Scheer Shoes

Was macht aber nun die Scheer Schuhmanufaktur so besonders? Abgesehen davon, dass diese Schuhmachertradition sowie das Know How zur Maßanfertigung erfolgreich über 7 Generationen hin innerhalb der Familie weitergegeben wurde, folgender Designentstehungsprozess. Alles besonders vor dem Hintergrund 1878 den begehrten Hoflieferantentitel verliehen bekommen zu haben, welcher nicht nur als Qualitätssiegel galt, sondern auch zu höchster Qualität verpflichtete. Ein Privileg damaliger Zeiten!

  • persönliches Beratungsgespräch zu Form, Design, Lederqualität und Farbe zusammen mit Markus Scheer (teils bringen die Kunden bereits konkrete Designwünsche und Vorstellungen mit, teils beruht die Entscheidung zum finalen Schuhdesign auf Empfehlungen des Meisters)
  • persönliches Abmessen der Füsse ebenfalls durch Markus Scheer 
  • anschließend sofortige Anfertigung des für jeden Kunden individuell geschnitzten Holzleisten ebenso durch Markus Scheer selbst (eher selten in der Branche, aber in der Familie Scheer galt immer die Philosophie, dass derjenige, der den Fuß berührt und vermisst auch den Leisten schnitzen muß, weil Zahlen, Messdaten, etc. nie die tausenden Eindrücke ersetzen können, welche eine geschulte Hand sammelt; zudem hat Markus Scheer ein ganz besonderes fotografisches Gedächtnis zum Gesamteindruck eines Kunden wie Gang, Stimme, Haltung, Sprache, Vorlieben und so weiter; all‘ das fließt schließlich in die Leistenskulptur mit ein)
  • Erstellen einer Schuhskizze inkl. Material- und Detailmuster (Farbe Kontrastnähte, Sohle, Reißverschluss, …) zur Freigabe durch den Kunden sowie des ersten Probeschuhs zur Anprobe Vorort 
  • Maßanfertigung der Schuhe gemäß dem Familien-Know How
  • laufende Abstimmung während der Entstehung des Schuhs mit dem Kunden (meist auf Kundenwunsch hin digital via Fotos und Videos per Mail, SMS oder WhatsApp oder in persönlichen Anprobeterminen)
  • finale Anprobe des fertigen Schuhs und Übergabe
  • abschließendes Spezialschuhservice sobald der Schuh eingelaufen ist

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Genauso liebevoll und professionell wie das Paar Schuhe angefertigt wurde, sollte auch die spätere Pflege erfolgen. Aus diesem Grund läßt die Firma Scheer hochwertigste Schuhcremes in so vielen und bunten Farben in ebenso stylischen Tiegeln anfertigen, sodass Schuhe putzen in der Tat wieder Freude macht! Denn wie sagte schon Honoré de Balzac:

„Ein guter Beobachter sieht am Zustand der Schuhe, mit wem er es zu tun hat!“

Damit aber nicht nur die Schuhe wunderschön bleiben, sondern viel wichtiger die dazu gehörenden Füße, möchte ich euch abschließend unbedingt das Buch von Markus Scheer ans Herz legen, welches er anläßlich des 200-Jahr-Jubiläums veröffentlicht hat: „Der Fuß weiß alles“ . Erhältlich im Hause Scheer in der Bräunerstraße. Dieses Buch drückt so wunderbar die Liebe Markus Scheers zum Handwerk wie zu den Füßen seiner Kundschaft aus, sodass man sich wünschen möcht‘, es möge ihm gelingen, diese Tradition auch an die 8. Generation weiterzugeben. Mit 5 Kindern hat er schon einen wesentlichen Grundstein gelegt, würde ich sagen. 

Ob er denn größere Expansionspläne für die Zukunft hätte bei einer Kapazität von maximal 300 Paar Maßschuhen im Jahr und einem einzigen Verkaufspunkt?“, wollte ich abschließend wissen. Natürlich hätte er diese Überlegungen, aber er gehe sehr bedacht mit diesem Familienerbe um und wolle derzeit nicht zuviel verraten. Er sei sich nur sicher „Schuhe werden immer gebraucht werden,  aber in Zeiten der Digitalisierung noch Taschen in 10 Jahren“ ?

Scheer GmbH, Bräunerstraße 4, 1010 Wien

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