Eine Designreise durchs Steirereck

Steirereck

Ich nehme an, mein Titel verwirrt euch schon jetzt. Liest man den Namen Steirereck (und damit meine ich tatsächlich das berühmte Restaurant Steirereck im Wiener Stadtpark), würde man als Bericht eine kulinarische Reise durchs angeblich beste Restaurant Österreichs erwarten. Viel ist geschrieben worden über dieses in der Tat gerühmte Michelin Restaurant, mit vielen Preisen ist es ausgezeichnet worden. Unter anderem mit zwei Michelin Sternen, 19 Gault & Millau Punkten sowie abermals mit Platz 10 der Welt besten 50 Top-Restaurants. Ganz schnell war für mich allerdings beim Besuch des Steirerecks klar, ich würde nicht über eine Kulinarik-, sondern über eine Designreise schreiben, so sehr war ich vom Interieur begeistert!

Ich habe die letzten Wochen etliche Wiener Restaurants auf gehobenem Niveau besucht, da ich dachte, es sei mal wieder an der Zeit, euch ein paar persönliche kulinarische Empfehlungen zu geben. Dabei achte ich – wie ihr mich mittlerweile kennt – nicht nur auf die Kulinarik, sondern ganz besonders auf das Interior Design, die Atmosphäre, das Service, also das Wohlfühlerlebnis in einem Restaurant an sich. Das berühmte Steirereck hatte ich gedanklich schon seit Jahren auf meiner persönlichen To-Do, oder soll ich sie besser Entdeckungsliste nennen? Allerdings – denn das Restaurant gehört immerhin zu den preislich gehobensten von ganz Wien – gab es bislang noch nicht den passenden Anlass dafür.

Ich erinnere mich noch wie ich vor Jahren mit einem lieben Freund gewitzelt hatte, was man als Österreicher/In unbedingt erlebt haben muß „before you die“. Zu unserer spontanen Aufzählung gehörten damals der Besuch der Salzburger sowie Bregenzer Festspiele, der Wiener Opernball, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das Hahnenkammrennen in Kitzbühel sowie ein Restaurantbesuch des berühmten Steirerecks. Dabei kam erschwerend hinzu, dass wir auf die Premiere des Jedermanns in Salzburg bestanden, also nicht irgendeine Aufführung während der Festspielzeit. Ich muß gestehen, bis vor wenigen Tagen fehlten mir nur noch drei dieser Erlebnisse, das Steirereck war unter ihnen!

Da sich derzeit in meinem Leben so einiges verändert, ergab sich tatsächlich eine gebührende Gelegenheit, mit meinem Freund das Steirereck zu besuchen. Mir war beim Betreten des Lokals jedoch schlagartig zweierlei klar: ich könne DAS Steirereck nicht mit anderen, wenn auch noch so gehobenen Wiener Restaurants in einem Atemzug und Blogpost nennen und mein inhaltlicher Bezug wäre nicht die Kulinarik, sondern – wie bereits erwähnt – das Design des Restaurants.

Ich erinnere mich noch vor einigen Jahren gelesen zu haben, die Reitbauers hätten ihr Nobelrestaurant einem stylischen „Face-Lifting“ unterzogen (in Wahrheit war es ein Totalumbau) und war schon damals von den Bildern in den Medien sehr angetan. Beeindruckt ist man ehrlich gesagt schon beim Betreten des Restaurants. Zudem hatte ich das Glück, dass sich in der Abenddämmerung die derzeitige herbstliche Farbstimmung des Stadtparks perfekt im Design der Fassade widerspiegelte. Passend (nicht nur farblich) zum dezent anmutenden und zeitlosen skandinavischen Interior Design.

Wir waren unter den ersten Gästen des Abends und hatten sofort die vollständige Aufmerksamkeit des Personals. Überhaupt muß ich sagen, die sehr zuvorkommende und fast schon rührende Betreuung des Steirereck Personals (Kellner klingt hier fast schon banal!) war während des gesamten Abends ein wesentlicher Aspekt dafür, dass wir uns so wohl gefühlt haben. Es war für uns beide der allererste Besuch dieses Restaurants, daher waren wir für die Führung der Mitarbeiter durch den Abend sehr dankbar. So erhielt ich auch sehr schnell die Zustimmung, was auch immer mir gefallen würde, zu fotografieren (offensichtlich ist man schon so einiges gewöhnt von den asiatischen Lunch Gästen) und zog mit meinem iPhone diskret los ehe die restlichen Gäste kamen.

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Ich muß gestehen, ich fühlte mich vom Design von Anfang an angezogen. Das Restaurant ist optisch in mehrere kleine Art Pavillons mit nur wenigen und großzügig verteilten Tischen aufgeteilt, um die Diskretion zwischen den Gästen zu wahren. Das Licht, die Einrichtung, die Farben sehr stylish, clean und harmonisch. Die Dekoration der Tische sehr puristisch. Überrascht war ich vom Mut zu den schwarz-weißen Wand- und Bodenfliesen, welche sich durch alle Ebenen des Restaurants durchziehen. Ebenso angetan von den vielen Details der Wanddekoration. Zudem hatte jeder einzelne Tisch ein rundes Beistelltischchen mit allem notwendigen Zubehör eines Restaurants bis hin zum Besteck.

Letztendlich zog sich aber diese „Designreise“ auch durch die Kulinarik sowie die Optik auf den weißen Tellern fort. „Nouvelle cuisine par excellence“. Aufgrund der sehr gehobenen Preise schlug mein Freund vor, gleich das mehrgängige Menü zu nehmen und obwohl ich eigentlich Vegetarierin bin (und daher eher wählerisch), Fisch aber sehr liebe, stimmte ich dem Vorschlag zu. Damit hatte ich „mein Schicksal“ zu einer kulinarischen Entdeckungsreise durch die Kunst der Reitbauer’ischen Küche besiegelt. Es mag vielleicht nicht jeder Gang meinen persönlichen Geschmack genau getroffen haben, in Summe war ich aber sehr angetan.

Die waren Highlights dieses Abends sowie das Besondere, das letztlich das Steiereck für mich ausmacht und nebst der Top-Qualität an Speisen und Weinen nicht umsonst auf Platz 10 der weltbesten Restaurants rangiert, waren folgende:

  • ein sehr zuvorkommendes, kompetentes Service sowie die „Inszenierung“ des Abends – anders kann man es gar nicht nennen
  • die kleinen, bis ins Detail und mit jeder Zutat beschriebenen Kärtchen zur Erklärung der einzelnen Menügänge für jeden (!) einzelnen Gast
  • ein mehr als großzügiger Gruß aus der Küche als „Reise quer durch die Bundesländer“ Österreichs
  • der Steirereck Brotwagen mit unzähligen, verschiedensten Sorten an Brot, deren Zahl ich schon wieder vergessen habe (ich erinnere nur 9 verschiedene Bäcker in und rund um Wien), 3 hausgemachte Sorten (mit der Gefahr, sich schon am Brot satt zu essen, so köstlich ist es gewesen!)
  • die persönliche Brot-Beratung durch den hauseigenen Brot Sommelier, den berühmten „Brot Andy“ des Steirerecks (eine Institution an sich!)
  • die professionelle Weinempfehlung zu jedem individuellen Gang
  • der Käsewagen mit über 60 Käsesorten zur Auswahl für den Käsegang ebenfalls inklusive bester Beratung durch den hausinternen Käsespezialisten
  • die exklusive Steirereck Bienenhonigvariation als süßer Abschluß jedes Menüs (ich dachte eigentlich „jetzt kommt der Kellner mit der Rechnung im Tresor“ – hätte mich nicht überrascht!)
  • die Steirereck Magazine mit zahlreichen Hausrezepten und Geschichten rund ums Restaurant, die Reitbauers & Co beim Verlassen des Restaurants, wohl als Art Souvenir, damit der Abend endgültig unvergesslich in Erinnerung bleibt

Kurzum, ein Restauranterlebnis der anderen Art, wenn auch auf hohem Preisniveau, das sich wirklich für besondere private oder geschäftliche Anlässe lohnt. Jetzt bleiben mir nur noch die Vorsätze, endlich einmal den Opernball zu besuchen sowie die Skirennen in Kitz live zu erleben. Ja, ich war tatsächlich schon beim Neujahrskonzert 😉

Restaurant Steirereck im Stadtpark, 1030 Wien

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