Das analogste Hotelzimmer der Welt

Das analogste Hotelzimmer

Vor einigen Wochen hatte ich bereits zur interessanten Frage „Digital versus analog?“ gepostet und dabei kurz den analogsten Store von ganz Österreich, das Supersense in Wien, angeteasert. Ich selbst war auf der Suche nach Antworten zur eingangs erwähnten Frage nicht nur auf sehr interessante Ausstellungen zum Thema Digitalisierung und Robotics gestossen, sondern überraschenderweise auch auf diesen wahrlich coolen „Analog-Palast“ der 5 Sinne im zweiten Bezirk und absolut fasziniert davon. Man findet dort nicht nur alte Polaroid Kameras, eine Original-Druckereimaschine, eine Tonmischanlage zur Aufnahme von Vinyl-Schallplatten, sondern auch Visionäre zum analogsten Hotelzimmer der Welt!

Das Supersense

Den Namen Palast verdankt das Supersense seiner imperialen Umgebung: als magischer Ort der Sinne befindet es sich in einem denkmalgeschützten und wunderschönen Gebäude, dem renovierten Dogenhof. Es ist ein Mix aus Café, Bar, Concept Store und Handwerkskunst. Gekauft werden so manche analogen Mitbringsel aus „den guten alten Zeiten“. Schon bei meinem allerersten Besuch war ich beeindruckt ob der Traumlocation mit seinen Bogendecken, den beiden Hermann Czech-Lustern aus der ehemaligen Länderbank Zentrale sowie dem goldenen Stuck, das ihm letztendlich den imperialen Flair verleiht. 

Man muß mir mein Staunen angesehen haben, denn einer der Mitarbeiter war schließlich so nett, sich wirklich gebührend Zeit zu nehmen, um mich durch den Store sowie seine vielen Entdeckungen zu führen. Ich kam mir vor wie bei einer Zeitreise durchs Museum. Highlight für mich war schließlich ein Voice-O-Graph, welcher schon zu Kriegszeiten Soldaten dazu diente, Voice Messages via Post nach Hause zu schicken. Später dann internationalen Touristen, um Urlaubsgrüße von den unterschiedlichsten Sightseeing Hot Spots zu versenden. So soll einer dieser Voice-O-Graphen (ich selbst hatte davon noch nie gehört) auch beim Empire State Building in NY gestanden haben.

Das analogste Hotelzimmer

Florian Kaps, Gründer des Supersense Stores, hatte bereits in 2006, als er von Polaroid sämtliche, übrig gebliebenen Kameras und Equipments aufgekauft hatte, erste Ideen in Richtung analoges Hotel und solche in Los Angeles und New York vereinzelt mit Polaroid Kameras auf den Zimmern ausgestattet. Damit aber nicht genug, denn seine ureigenste Vision war eine viel größere. Angetan vom Hotelkonzept der 25hours Hotels Gruppe verfasste er schließlich auf einer analogen Schreibmaschine einen Brief an Christian Kölling, General Manager des Wiener Hotels beim MuseumsQuartier, und skizzierte seine Idee.

Dies just zu einer Zeit, wo Der Standard erst vor wenigen Wochen vom bislang digitalsten Hotel berichtet hatte, welches in Japan eröffnet hat. Das Henn-na Hotel in Nagasaki ist das erste menschenlose Hotel der Welt. Der Name „Henn-na“ bedeutet eigentlich Weiterentwicklung respektive Fortschritt und steht für ein Hotelkonzept, in dem die Roboter das Management übernommen haben! „Überwacht“ werden sie allerdings von zahlreichen Sicherheitskameras, hinter denen noch echte Menschen das Treiben im Auge behalten, um für die Sicherheit der Gäste zu sorgen. Klingt irgendwie furchteinflösend……

Das analogste Hotelzimmer
Copyright © Henna-Ha Hotel

Heute bietet die 25hours Hotels Gruppe nicht nur in Wien bereits zwei solcher analoger Hotelzimmer an, sondern auch in anderen Städten wie Zürich und Berlin, München „coming soon“! Im Zuge der Vienna Design Week gab es einen „Tag der offenen Tür“, den ich spontan dafür nutzte, mir das erste der beiden analogen Zimmer in Wien persönlich anzusehen. Von der Grundausstattung sowie Hoteleinrichtung unterscheidet sich dieses Zimmer #509 eigentlich nicht wirklich von den anderen Zimmern des Hotels. Es ist aber zusätzlich nur eines von vier, das seine Badewanne nicht im Badezimmer, sondern sage und schreibe auf der Terrasse stehen hat und dies absolut funktionstauglich. Das war eigentlich das Erste, das mich sofort beim Betreten des Zimmers angezogen hatte! Das Zweite der tolle Ausblick auf die imperialen Bauten der Wiener Ringstrasse. Erst dann sah ich mich peu à peu nach den analogen Elementen im Zimmer um. 

Insgesamt umfassen alle analogen Hotelzimmer der 25hours Hotels Gruppe immer 12 vom Supersense Team entwickelte sogannte Komponenten. Sie reichen von der:

  • analogen Schreibmaschine
  • einem Schallplattenspieler inkl. selektionierter Plattensammlung (welche in jeder Stadt variiert und lokale Musiker berücksichtigt) über  
  • einen Wien Reiseführer mit Local Tipps der Wiener Reiseschneiderei auf Papier (!)
  • Postkarten zum Selberschreiben
  • einen Foto-Safari-Guide
  • diverse gerahmte Bilder mit Drucklettern
  • einem Lettern Book zur Optimierung der eigenen Handschrift bis hin
  • zu einer kleinen Polaroid Kamera für die Urlaubsfotos

…… und so manches mehr. Nur das ursprünglich für alle Hotelzimmer angedachte Röhren-TV-Gerät (wie das klingt 😉 ) mit Original-VHS Rekorder hat sich nur im Ursprungszimmer, dem #509 quasi gehalten. Zu viele deutsche Gäste waren unglücklich darüber, nicht spontan die Bundesliga im Fernsehen verfolgen zu können. Daher gibt es nun in den übrigen Zimmern zusätzlich einen Digi-Fernseher. Ganz so analog sind dann die Zimmer auch wieder nicht! Erstens empfand ich das Zimmertelefon „als ganz normal“ und außerdem gibt’s überall auch WLAN. 

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Speziell beworben werden die analogen Zimmer der Hotelkette laut Roland Eggenhofer, Senior Sales & Marketing Manager, noch nicht, aber stets proaktiv bei analogen Buchungen am Telefon angeboten und erfreuen sich durchaus einer großen Beliebtheit. Zur besseren Orientierung erhält jeder Gast schon beim Check-in eine analoge Gebrauchsanweisung. Den Rest entdeckt man im wahrsten Sinne des Wortes dann im Zimmer selbst.

Supersense Events

Zum Abschluss noch ein Tipp solltet ihr das Supersense mal persönlich besuchen: unbedingt Zeit für ein Frühstück oder einen kleinen Snack einplanen! Das Angebot ist wirklich köstlich (besonders der Kaffee!) und die Atmosphäre sehr einladend und gemütlich. Und wenn ihr mal Lust auf ein „analoges“ Musikevent habt, das Supersense veranstaltet laufend Live-Minikonzerte und nimmt diese parallel gleich auf Schallplatte auf. Eigentlich sind es keine wirklichen Konzerte, sondern Sound Recording Sessions ausschließlich mit analogen Instrumenten ohne irgendeiner digitalen Unterstützung. Die parallel aufgenommenen Tonträger auf Lackfolie können anschließend als Erinnerungsstück erworben werden. Ich selbst war schließlich bei einem Mississippi Soul „Konzert“ live dabei und absolut angetan – sehr coole Idee!

 

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