Die Heidi Horten Collection im Leopold Museum

Heidi Horten

Diese Ausstellung trägt nicht umsonst den Namen „WOW!“. Obwohl oder vielleicht gerade deshalb, weil Heidi Horten ursprünglich auf den Kunstauktionen keinem besonderen Kunststil folgen wollte, sondern nur ersteigern ließ, was ihr auch persönlich gefiel. Dabei hatte die gebürtige Wienerin erst so richtig nach dem Tod ihres Mannes in den 90iger Jahren begonnen, teure Kunst zu sammeln. Dank dem Kunstabonnement von Artissimi hatte ich jüngst die Gelegenheit, diese Ausstellung inklusive einer Führung persönlich zu besuchen und war von der Vielfalt an namhaften Meisterwerken sowie internationalen Künstlern/Innen so sehr angetan, dass ich kurzerhand entschlossen habe, dieser Sammlung einen eigenen Beitrag zu widmen!

Während der berühmte deutsche Industrielle und Besitzer der damaligen Horten Kaufhäuser, Helmut Horten, ausschließlich bei ihm bekannten Galeristen seines Vertrauens kaufte, suchte seine Frau Kunst eher auf Auktionen. Erst im Laufe der Zeit begann sie die Sammlung sukzessive strategisch zu erweitern und Querverbindungen zwischen den unterschiedlichen Werkgruppen herzustellen und somit der Sammlung einen roten Faden zu verleihen.

Heidi Horten
Copyrights © Viennissima
Heidi Horten
Copyrights © Viennissima
Heidi Horten
Copyrights © Viennissima

Heute repräsentiert diese Privatsammlung schließlich einen perfekten Querschnitt durch 100 Jahre Kunstgeschichte von der klassischen Moderne bis zur Kunst unserer Gegenwart und zählt zu einer der bedeutendsten europäischen Kunstsammlungen. Die Namen lesen sich wie das Who-is-who der internationalen Künstlerszene: Klimt, Schiele, Matisse, Chagall, Nolde, Miró, Picasso, Warhol oder Haring, um nur einige zu nennen. Mit rund 500 Werken beinhaltet die Sammlung wichtige Werke des deutschen Expressionismus ebenso wie des österreichischen Fin de Siècle respektive abstrakte amerikanische Kunst oder Pop Art.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf Wunsch der Kunstsammlerin hin und mit Unterstützung des Leopold Museums werden derzeit 170 „Oevres“ von 75 Künstlern/Innen erstmals der breiten Öffentlichkeit und Kunstliebhabern zugänglich gemacht. Während sie sonst die zahlreichen Immobilien und Wohnsitze Heidi Hortens zieren. Kuratiert wurde die Ausstellung von Agnes Husslein-Arco, welche eine langjährige Freundschaft mit der Kunstbesitzerin verbindet.

Besonders erwähnenswert ist die Geschichte zum einzigen Klimt-Bild, welche die Kirche von Unterach darstellt und im letzten Sommer Klimts am Attersee entstanden ist. Aufgrund eines Ausfuhrverbotes aus Österreich konnte Heidi Horten es zum „Schnäppchenpreis“ von 20 Mio Euro von einem steirischen Ehepaar erwerben (wie mir während der Führung im Leopold Museum geflüstert wurde). Bei internationalen Auktionen wie etwa in London hätte das Bild einen Preis von bis zu 40 Mio Euro erzielen können. Ihr absoluter Lieblingsmaler ist aber Marc Chagall mit dem Selbstporträt Les Amoureux, welches ihn mit seiner Ehefrau zeigt. Von anderen Kunstepochen oder Künstlern existieren in der Sammlung gleich so viele Bilder, dass diesen im Leopold Museum eigene Räume gewidmet sind.

Mein eigenes Lieblingsbild? Nun, da fallen mir im Speziellen gleich zwei Bilder ein. Prinzipiell muß ich aber gestehen, dass ich ob der Vielfalt an Stilrichtungen, der Farbexplosion der Bilder und der Künstlernamen sehr begeistert war. Dennoch würde ich selbst für mich folgende zwei Werke auswählen, da sie farblich besser zu mir passen würden. Erstens das Bild Comedia von Kees van Dongen (Öl auf Leinwand), welches einige Haute Couture Kleider des französischen Star Designers, Paul Poiret, in den 20iger Jahren in Paris darstellen. Ich habe selbst jahrelang in der Luxusmode gearbeitet und bin fasziniert von der Idee, Kunst und Mode zu verbinden. Das andere Werk wäre von Georg Baselitz (ebenfalls Öl auf Leinwand) namens Wieder eine schlechte Note. Ich selbst würde das Bild allerdings nicht auf den Kopf stellen, sondern quer über meinen Couchbereich hängen. Ein bißchen Individualität darf sein!

Elisabeth Wolf von Artissimi bezeichnete zum Abschluss der Führung diese Ausstellung dank ihrer Farbenvielfalt berechtigt als „Feel good“-Ausstellung, was ich absolut unterstreichen würde. Wer also von euch diese Ausstellung noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt bis 29. Juli 2018 tun. Es wäre wirklich schade, sie zu versäumen….

Nähere Details zu Öffnungszeiten und Tickets findet ihr direkt auf der Website des Leopold Museums. Jeden Donnerstag Abend ist die Heidi Horten Sammlung übrigens von 18 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen. Sehr empfehlenswert ist auch der Katalog zur Ausstellung, welcher mit Essays zu den ausgestellten Künstlern/Innen einen tieferen Einblick in die Heidi Horten Collection gibt.

Leopold Museum, Museumsplatz 1, 1070 Wien

Kommentar verfassen