Fashion Redefined

Wenn ich in den vergangenen Jahren aus beruflichen Gründen zu Modemessen oder Designmeetings nach Mailand oder Paris durfte, habe ich gerne – wann immer ich es zeitlich einrichten konnte – das Wochenende privat verlängert und mit großer Begeisterung lokale Modeausstellungen besucht. Das Museum „Musée des Arts Décoratifs“ in den Gebäuden des Pariser Louvre ist stets ein heißer Tipp dafür. Nun gibt es derzeit zwei sehr interessante Ausstellungen zu Mode und Modefotografie in Wien und München zu sehen!

Nachdem ich mittlerweile seltener nach Mailand oder Paris reise, war ich umso erfreuter in diesem Frühjahr auf den Wiener Litfaßsäulen die Plakate zur Modeausstellung „Vulgär?“ im Winterpalais des Belvedere zu entdecken und stattete dieser spontan an einem sonnigen Sonntag Nachmittag einen für mich inspirierenden Besuch ab. Es handelt sich dabei um einen Dialog zwischen dem Psychoanalytiker Adam Philipps und der Modeexpertin Judith Clark über die Begrifflichkeit des Vulgären sowie des Geschmacks in der Mode. Durch ein geschickt zusammengestelltes Arrangement von historischen Kostümen, Haute Couture und Prêt-à-Porter Kleidern in den barocken Räumlichkeiten des Winterpalais mit ausgewählten Porträts und Gemälden gestaltet sich der theoretische Dialog zu einem beziehungsvollen Diskurs. So befinden sich kunstvolle Modekreationen namhafter internationaler Designer (von John Galliano für Dior über Vivienne Westwood bis hin zu Karl Lagerfeld für Chloé) just neben einem Gemälde von Kaiserin Maria Theresia. Die ausgestellten Kleider treffen vielleicht nicht immer unseren Geschmack von Mode und haben in der Tat einen Touch von Vulgarität, aber das Besondere an dieser Ausstellung ist der prunkvolle Rahmen des Winterpalais und seiner Räume, in denen diese Modeexponate präsentiert werden.

Unter diesem Aspekt des Kontrastes – den man auf diese Art international selten vorfindet – eine absolut sehenswerte Ausstellung! Noch zu besuchen bis 25. Juni 2017 im Winterpalais des Belvedere, Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien.

Der Titel „Fashion Redefind“ passt auch perfekt zu einer anderen, derzeit in der Kunsthalle München zu sehenden Modeausstellung zu Ehren des berühmten Starfotografens Peter Lindbergh mit dem Namen „From Fashion to Reality“.

Durch seine zumeist in Schwarz/Weiß gehaltene Modefotografie führte Peter Lindbergh einen neuen Realismus ein und revolutionierte dadurch die Bildsprache der bekanntesten Modemagazine und Fashion Brands. Als allererster Modefotograf setzte er nicht auf die Mode an sich, sondern die einzigartige Persönlichkeit seiner Models und zeigt in seinen Modefotos ausdrucksstarke, selbstbewusste Frauen und begründete dadurch das Supermodel-Phänomen der 90iger Jahre. Am bekanntesten sind uns wahrscheinlich die unvergesslichen Schwarz/Weiß Bilder von Kate Moss.

Die Mai-Ausgabe der deutschen Vogue hat Peter Lindbergh nicht nur eine ganze Modestrecke gewidmet, sondern bei ihm sogar 3 verschiedene Coverfotos in Auftrag gegeben. Einem Artikel im Inneren des Heftes entnahm ich (natürlich konnte ich nicht widerstehen, im Museumsshop gleich ein Originalexemplar zu erstehen), dass Lindbergh jahrelang den berufstypischen Posen und Modelattitüden nichts abgewinnen konnte und daher ewig lang keinen Auftrag für die hochheilige amerikanische Vogue angenommen habe, ehe Anna Wintour 1988 die Chefredaktion übernahm und bei ihm das Coverfoto der damaligen November-Ausgabe in Auftrag gab.

Peter Lindbergh ist es zu verdanken, dass mit seiner unbekümmerten Art der Fotografie, mit welcher er die eigentliche Persönlichkeit und Gefühlswelt der Models einfing, unkonventionelle Schönheiten wie Helena Christensen, Naomi Campbell, Tatjana Patitz und Cindy Crawford über Nacht zu Supermodels und zum Vorbild Millionen von Frauen weltweit wurden.

Die faszinierende Ausstellung, welche neben Fotografien sowie Filmen bislang ungezeigtes Material wie Storyboards, Requisiten und Polaroids umfasst ist noch bis 27. August 2017 in der Kunsthalle München, Theatinerstrasse 8, 80333 München zu sehen. Besonders zu empfehlen der Ausstellungsshop, in dem es mit berühmten Lindbergh-Motiven bedruckte Notizblöcke, Mousepads, Mäppchen und sonstige Geschenksartikel gibt!

 

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