Zahlreiche Neueröffnungen – speziell in der Hotellerie – waren heuer die ersten Vorboten des Wiener Frühlings! Denn besonders ihre Interior Designs mit Bezug zu Art Déco oder der Wiener Werkstätte lassen nicht nur die Herzen von Designfans höher schlagen. Auch alle Foodies werden begeistert sein, welche gerne in schönem Ambiente speisen. Denn es gibt in unserer Stadt kaum mehr ein Boutiquehotel, das nicht mit eigenem Restaurantkonzept und Hotelbar eröffnet, um auch uns Locals als Gast zu gewinnen. Dabei spannen die jüngsten Hospitality Projekte ihren kulinarischen Bogen von mediterraner Küche über Wiener Klassiker mit internationalem Touch bis hin zu asiatischen Einflüssen. Jetzt, wo nun endlich der Frühling kommt, wäre der ideale Augenblick, um sich mit Familie oder Freunden durch die diversesten Speisekarten – von Frühstück à-la-carte bis Fine Dining – zu kosten. Ergänzt werden die unterschiedlichen Designansätze nicht selten von zeitgenössischer Kunst und hoher Gastfreundschaft.
NEU: The Companion Vienna & Boca Restaurant, 1150 Wien
Dieses frisch eröffnete Hotel an der Mariahilfer Straße, direkt beim Wiener Westbahnhof, mit eigenem Restaurant und Bar, versteht sich als zeitgemäßes, urbanes Stadthotel, welches auch die lokale Community ansprechen möchte. Entwickelt wurde das sehr offene, gastfreundliche und sehr junge Konzept – bewusst abseits klassischer Wien Clichés – von vier Freunden. Die Unternehmer Kai Hollmann, Florian Kollenz, Christian Lainer und Michael Todt sind in der Stadt nicht unbekannt, immerhin verantworten sie bereits andere Hospitality Projekte, darunter die Superbude mit dem Neni am Wiener Prater. 138 Zimmer, darunter die „Velvet Suite“ als absolutes Highlight: konzipiert auf zwei Ebenen mit vollverglasten Panoramafenstern und Direktblick auf die Mariahilfer Straße.
Gestaltet wurde das Gebäude vom Berliner Innenarchitekturbüro weStudio, wobei das gewählte Design zeitgenössische Elemente mit jenen der Wiener Werkstätte verbindet. Folglich wirken Zimmer und öffentliche Räume wie eine Mischung aus 70er-Jahre-Elementen und Art Déco: viel Rundung, viel Musterspiel, weiche Sitzmöbel, satte Farben und dazwischen erfrischende, geometrische Details. Auch blieben historische Strukturen des wunderschönen Gründerzeithauses sichtbar: freigelegte Bauteile, eine erhaltene Stiege und Stuckdecken treffen auf Marmorflächen und Holzarbeiten. Wobei die einzigartige spiralförmige Treppe sicherlich das absolute Herzstück ist und nicht oft genug fotografiert werden kann.
Im Moment befinden sich Hotel und Gastro noch in der „Soft Opening“ Phase, das Konzept soll sich sukzessive weiterentwickeln, es ist noch nicht ganz ausgereift. Dazu gehört ein im warmen Beerenton gestalteter Innenhof, der in der warmen Jahreszeit zum gemütlichen, schattigen Außenbereich der Hotelbar werden soll. Die Lage ist bewußt gewählt, denn am Wiener Westbahnhof, zwischen den Szenebezirken Neubau und Rudolfsheim, trifft urbaner Lifestyle auf Großstadt-Feeling, abseits des berühmten Postkarten-Wiens. Ein Fest für die Sinne verspricht ebenso das hoteleigene Restaurant Boca, denn der vier Gründer Herz schlägt angeblich für gutes Essen und Trinken. So zelebriert das italienisch angehauchte Ristorante mit mediterraner Küche mittags und abends die Leichtigkeit des Südens, während die Bar Calypso eine Hommage an das Wiener Nachtleben mit dem berühmten roten Samt und feinen Drinks darstellen soll. Selbstverständlich sind auch wir Locals herzlich willkommen, bereits morgens zum Frühstück am Buffet.
The Companion Vienna, Mariahilfer Straße 127b, 1150 Wien
NEU: WILDE Aparthotel & Rascal Brasserie, 1010 Wien
Inmitten der historischen Altstadt von Wien mit seinen charmanten, schmalen Gassen sowie der barocken Architektur liegt das neue WILDE Hotel, welches Anfang des Jahres im ehemaligen Postamt im 1. Bezirk eröffnet hat. Mit seinen 136 Apartments ein für Österreich neues Konzept, das weniger auf klassische Hotellerie als auf Übergänge setzt: zwischen Wohnen und Verweilen, zwischen Kunst und Alltag und nicht zuletzt zwischen Wiener Kaffeehaustradition, Hotelbar und Brasserie. Auch hier spielt das Hoteldesign, speziell in den öffentlichen Bereichen – vom Innenhof bis hin zur Cafébar – mit dem Spannungsfeld zwischen Alt und Neu, indem es die architektonische Vergangenheit des Hauses aufgreift. Neben dem Oscar’s – einer Art Tagesbar im Lobbybereich – verwöhnt seit Anfang März das Brasserie-Restaurant RASCAL Apartmentgäste genauso wie uns WienerInnen. Hinter dem Küchenkonzept aus Wiener Klassikern mit internationalen Einflüssen steckt niemand Geringerer als Chefkoch Tamas Kiss, bekannt geworden in den letzten Jahren im Seven North.
Saisonale Produkte, lokale Lieferanten und handwerkliche Zubereitung spielen konzeptionell eine große Rolle. Für den Beginn öffnet das Hotelrestaurant leider nur abends, ein Sharing Konzept für Brunch am Wochenende soll folgen. Auch das Raumdesign selbst soll seine eigene Geschichte erzählen: mit hohen Decken, originalen Details, besonderen WOKA-Lampen sowie den kräftigen Farben Rot und Blau wird die historische Architektur in Szene gesetzt, wobei geometrische Formen und eine Lichtinstallation des Künstlers „SHA“ dominieren. Letztere findet sich in moderner Interpretation auch im großzügigen Innenhof des Aparthotels wider: überdimensionale Projektionen an die Wände, mit Musik unterlegt, tauchen den Hof abends in besonderes Licht.
WILDE Aparthotel (Rascal), Dominikanerbastei 15, 1010 Wien
NEU: The Mandarin Oriental Luxushotel & Le Sept Restaurant, 1010 Wien
Die spektakulärste Wiener Hotelneueröffnung ist wohl das Mandarin Oriental, welches nach einigen Anlaufschwierigkeiten Ende letzten Jahres erste Gäste empfangen durfte. Die internationale Hotelkette mit Hauptsitz in Hongkong wählte hierfür ein prachtvolles Jugendstilgebäude, welches nach 1900 vom Architekten Alfred Keller im Stil der Wiener Moderne errichtet wurde und über Jahrzehnte als Gerichtsgebäude diente. Jetzt steht es ganz im Zeichen gehobenen Luxus und besticht durch ein wunderschönes Interior Design. Durch die Kombination erhaltener, historischer Designelemente – Treppenhäuser, Eisenarbeiten und Deckenornamente erzählen von der Ära der Wiener Secession – mit einem luxuriösen Ambiente entstand eine sehr zeitgemäße Interpretation Wiener Charms. 138 Zimmer und Suiten zählt das neue Luxushotel, welche alle mit sehr viel Gespür für Materialität, maßgefertigten Möbeln und zarten Farben gestaltet wurden.
Die Farbwelt aus warmem Grau, Pastelrosa und hellem Blau vermittelt Ruhe, Motive der Secession ziehen sich durch Stoffe und Muster, der zarte Türkiston ist an das das berühmte Otto-Wagner-Grün angelehnt, das viele von der U4-Linie her kennen. Das Spiel zwischen Wiener Jugendstil und subtil asiatischer Raffinesse zieht sich durch das gesamte Haus und vermittelt eine stilvolle Balance aus Geschichte und Gegenwart. Zudem bilden sämtliche Räumlichkeiten und Hotelgänge eine tolle Bühne für viele zeitgenössische KünstlerInnen. So stammt auch der Mandarin Oriental Signature Fächer vom Österreicher Peter Jellitsch. Wer für kurze Zeit der Hektik einer Großstadt entfliehen möchte – auch als Nicht-Hotelgast – bucht sich für ein vierstündiges Day Spa ein, welches immerhin sieben Behandlungsräume sowie einen 13-Meter-Innenpool bietet. Ein Geheimtipp ist auch das Signature-Treatment „Essence of Vienna“, welches lokale Pflanzenessenzen mit einer Massage, die sich an der Musik von Mozart und Strauss orientiert, kombiniert.
Mich persönlich hat meine Neugierde in die Gastrobereiche des 5-Sterne-Hotels gelockt, welche auch für uns WienerInnen für eine kulinarische Reise vom Frühstück bis hin zum Fine Dining offen stehen. Für die gastronomische Ausrichtung zeichnet der gebürtige Kärntner Thomas Seifried verantwortlich, der mit internationaler Erfahrung im Gepäck frische Perspektiven auf den Teller bringt. Sehr viel Wert und Liebe ins Detail wird übrigens auf die Qualität und Zubereitung des Kaffees im hoteleigenen Café gelegt! Einen besonderen Besuch scheint ebenso die Bar wert zu sein, wo ab 17.00 Uhr unter anderem Signature Cocktails serviert werden, welche von den Gemälden österreichischer Künstler inspiriert wurden, wie etwa „Der Kuss“ von Gustav Klimt. In Summe spiegeln vier Gastrokonzepte die kulturelle Offenheit des Hauses wider:
- Le Sept interpretiert Meeresküche auf Grundlage französischer Cuisine mit asiatischem Einfluss (Fine Dining)
- Atelier 7 Brasserie serviert ganztägig moderne Gerichte mit Wiener und internationalen Akzenten (à-la-carte-Frühstück, Mittagessen und Casual Dining)
- Atelier 7 The Café bringt die Wiener Kaffeehauskultur in die Gegenwart: mit Spezialitätenkaffee, handwerklicher Patisserie und einer offenen Barista-Station
- Atelier 7 Izakaya & Bar verbindet Art Nouveau mit japanischer Ästhetik: Cocktails, Drinks und asiatische Snacks
Eine sehr persönliche, heimische Note verdankt das international ausgerichtete Hotel seinem in Tirol geborenen General Manager Mario Habicher, immerhin war er 10 Jahre lang fürs Wiener Imperial verantwortlich.
The Mandarin Oriental Vienna, Riemergasse 7, 1010 Wien
NEU: Molteni&C Flagship Store,1010 Wien
Nachdem ich letztes Jahr während der Designwoche bereits die Eröffnung des Mailänder Flagship Stores mitverfolgen durfte, freut es mich besonders, dass diese Marke nun auch in Wien mit einem hochwertigen Showroom vertreten ist! Damit schlägt Molteni&C ein neues Kapitel italienischer Wohnkultur mit jahrzehntelanger Expertise im traditionellen Handwerk auf. Die Location könnte nicht passender sein. 1863 von den Architekten Johann Romano und August Schwendenwein im prachtvollen Stil des Historismus erbaut, bietet das herrschaftliche Gebäude am Schubertring mit seinen großzügigen Raumhöhen und klassischen Proportionen die ideale Bühne für zeitgenössisches Design.
Hier entstand ein faszinierender Dialog zwischen klarer, moderner Formensprache der Marke sowie opulenter Wiener Baukultur des 19. Jahrhunderts. Ein weiteres schönes Beispiel für ein ebenbürtiges Zusammenspiel von Tradition und Moderne! Der nagenlneue Flagship Store versteht sich daher bewusst nicht nur als Ausstellungsfläche für die Designeleganz Italiens, sondern als lebendiger, interdisziplinärer Treffpunkt. Mit einem ambitionierten Programm aus kuratierten Events, Ausstellungen und Fachformaten soll auf 400m2 eine inspirierende Plattform für Architekten, Projektentwickler und alle, die von gutem Design begeistert sind, entstehen.
Molteni&C Store, Schubertring 4, 1010 Wien
MAK-Ausstellungen zu Mode & Interior Design, 1010 Wien
Zwei ganz besondere Ausstellungen sind derzeit im Wiener Museum für Angewandte Kunst zu sehen. Bestimmt nicht „LANGweilig“ ist jene zum Werk des heimischen Modeschöpfers „Helmut Lang. Séance de Travail 1986 – 2005“. Ausgehend vom einzigen öffentlichen Archiv zu seinem Schaffen, welches seit 2011 Teil der MAK Sammlung ist, bietet diese Retrospektive einen bislang einzigartigen Einblick in Langs Mindset sowie seinen kreativen Prozess. Zwischen Wien, Paris und New York definierte der österreichische Designer die Rolle der Mode im Spannungsfeld von Architektur, Kunst, Medien und urbaner Kultur grundlegend neu. So sind ebenso Einblicke in die Vorbereitungen hinter den Kulissen einer seiner Modeschauen zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich 3. Mai 2026.
Eine wirklich sehenswerte Neuinszenierung unter der künstlerischen Konzeption von Markus Schinwald ist dem MAK zur Neueröffnung seiner Dauerausstellung „Wien 1900. Alltag. Gesamtkunstwerk“ gelungen, welche Anfang März eröffnet wurde. Mit einzigartigen Werken, Möbeln und Gebrauchsgegenständen der Wiener Moderne sowie der Wiener Werkstätte sind beeindruckende Settings und Einblicke entstanden. Darunter auch ins Atelier der Schwestern Flöge. Neben der sogenannten „Lusterinsel“ mit einigen Klassikern des Wiener Traditionsunternehmen Lobmeyr respektive der Postkartenwand mit zahlreichen Motiven aus Wien sind besonders die Werke von Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Koloman Moser oder Dagobert Peche sehenswert. Man denke nur an die Werksskizze zum Mosaikfries fürs Palais Stoclet!
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

